Azem Abdi
aus Kaltbrunn ist für den WTT Young Leader Award 2026 nominiert.
Nach drei Jahrzehnten nimmt Simon Rakeseder (61) Abschied von einer Projektwoche mit Kultstatus. Das runde Jubiläum wurde gebührend mit geladenen Gästen und zahlreichen Ehemaligen gefeiert.
Region Ein Rückblick auf eine Ära, in der aus theoretischen Konzepten lebendige Praxis für Hunderte Auszubildende im Linthgebiet und Toggenburg wurde – und wie seine Arbeit die Berufsbildung der Region bis heute prägt. Seit 30 Jahren gehört die Projektwoche «Visualisieren» zur Ausbildung der Zeichnerinnen und Zeichner Fachrichtung Architektur, früher Hochbauzeichner, am Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) Rapperswil-Jona. Ideengeber und jahrzehntelanger Leiter ist der Architekt und Berufsschullehrer Simon Rakeseder aus Amden. Der Weg zum heutigen Erfolg war jedoch kein Selbstläufer. In den Anfangszeiten musste Rakeseder erhebliche Widerstände überwinden. Sowohl vonseiten der Lehrbetriebe als auch von den Behörden gab es anfänglich Skepsis und Gegenwind. Doch der Pionier liess sich nicht beirren, entwickelte seine Idee hartnäckig weiter und hielt an seiner Vision fest. Mit Erfolg, wie auch der Blick auf den Wandel der Berufsbildung zeigt. «Handlungskompetenzen, die heute fest in den Vorgaben verankert sind, gab es damals schlichtweg noch nicht», erinnert sich Rakeseder. Dafür sei die administrative Last spürbar gestiegen: Heute gebe es weitaus mehr bürokratische Hürden zu nehmen.
Von Tag eins an Teil des Ganzen
Die Schülerinnen und Schüler waren von der Planung, Organisation und Durchführung immer Teil des Projekts. «Gemeinsam unterwegs sein hiess auch immer, Verantwortung zu übernehmen und sich auf ungewohnte Situationen einzulassen», so Rakeseder. Wer mit ihm auf Themenwoche ging, verliess die Komfortzone. Das Einzugsgebiet rund um St.Gallen, Glarus und Zürich blieb bewusst hinter den Teilnehmenden zurück, denn die Reise sollte in andere Regionen der Schweiz führen. Dabei wurde kein Ort jemals zweimal angesteuert. Trotz des Wandels über die Jahre blieb der Kern der Projektwochen bestehen: Eine gemeinsame Woche im Zeichen eines festen Themas – und die Pflicht, die Erfahrungen ganz traditionell per Hand in einem persönlichen Notiz- und Zeichnungsbuch festzuhalten. Nach grossartigen Momenten gefragt, antwortet Simon Rakeseder, ohne zu zögern, mit einem Wort: viele. «Jede Woche hatte ihre besonderen Augenblicke und unvergesslichen Erlebnisse.» Besonders stolz ist Simon Rakeseder darauf, dass seine Idee für gemeinsame Klassenreisen bis heute begeistert aufgenommen wird. Die traditionelle Projektwoche findet stets nach dem zweiten Lehrjahr statt. Seit vielen Jahren nutzen die Abschlussklassen diese Zeit für eine Abschiedstour – und Lehrer Simon Rakeseder ist immer mit dabei. Er riet den Auszubildenden von Anfang an, die gemeinsamen Tage vor der Bekanntgabe der Abschlussergebnisse zu planen. So können alle noch einmal völlig unbeschwert die Ausbildungszeit Revue passieren lassen und Erinnerungen austauschen. Rakeseder freut sich sehr, dass seine Idee auf diese Weise weiterlebt und er bis heute ein fester Teil dieser Tradition ist.
Ein Wiedersehen mit Ehemaligen
Das 30-jährige Jubiläum der Projektwoche des Berufs- und Weiterbildungszentrums Rapperswil-Jona markiert gleichzeitig einen historischen Wendepunkt. Simon Rakeseder, der Erfinder und langjährige Leiter des Erfolgsformats, verabschiedet sich von seinem Lebenswerk. Er hinterlässt Spuren, die weit über die Region hinausreichen. Das Jubiläum bot einen würdigen Rahmen für einen emotionalen Abschied: Rund 140 ehemalige Schülerinnen und Schüler sowie 30 Interessierte und Ehrengäste kamen zusammen, um drei Jahrzehnte Projektwoche zu feiern – und um «Danke» zu sagen. Denn untrennbar mit diesem Erfolg verknüpft ist der
Name Simon Rakeseder. Der Abschied erfolgt allerdings mit einem weinenden Auge. «Nach 30 Jahren ist es auch mal gut», bilanziert er zwar, fügt aber offen an: «Ich hätte es noch gerne drei weitere Jahre gemacht.» Neue Umstände machen diesen Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Die Projektwoche wird es weitergeben – auch das ein Verdienst von Simon Rakeseder. Doch sie wird anders sein und ohne ihn stattfinden. Langweilig wird es dem engagierten Berufsschullehrer und Fachbereichsleiter Bauplanung in Zukunft trotzdem nicht. Neben seiner Arbeit am BWZ fokussiert er sich nun wieder verstärkt auf sein eigenes Architekturbüro, das er all die Jahre nebenbei geführt hat.
Martina Heinrich
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